hoermal.ch Home - Lebensmittel für die Ohren
SucheKontaktzusatzArchiv
hoermal_headerLogo Hörmal chrüz + quer
Ich Narr des Glücks – Heinrich Heine

Vera Bauer spürt in Heines Werk dem ganzen Menschen nach: in seinen Gedichten, die vielfach vertont wurden; in seinen ironisch gebrochenen Reisebildern, die ihn in seiner Heimat ebenso beliebt wie verhasst machten; in seinen Briefen, die seine schillernde Persönlichkeit unmittelbar zum Ausdruck bringen.

Verbunden mit Celloklängen sowie berühmten Liedvertonungen von Robert Schumann entsteht so ein erschütterndes Portrait des Dichters.

Sprache, Gesang, Violoncello: Vera Bauer
Regie/Realisation: Pierre Kocher
Tonaufnahmen: Kurt Hilfiker/Musik nach Mass

1 CD / Fr. 29.-  (€ 18.-)
ISBN 978-3-9523316-9-9
© Hörmal, Postfach, 3000 Bern 6



 


Brief
Paris im Juni 1831

La force des choses! Die Macht der Dinge! Lieber Freund, ich habe wahrhaftig nicht die Dinge auf die Spitze gestellt, sondern die Dinge haben mich auf die Spitze gestellt, auf die Spitze der Welt, auf Paris.
Freilich, das Exil in Paris hatte mir schon längst im Gemüthe gedämmert, ich habe zuletzt in Hamburg ein unerquickliches Leben geführt, es regnete an Schmähaufsätzen über mein neuestes Buch; und meine Feinde waren zwar uneinig, ob ich geköpft oder gespiesst werden soll, aber in der Hauptsache waren sie sich einig, nemlich mich umzubringen.
Indessen: Fliehen wäre leicht, wenn man nicht das Vaterland an den Schuhsohlen mit sich schleppte. Doch kann es mir hier nicht schlechter gehn wie in der Heimath, wo ich nicht sicher schlafen kann, wo man mir alle Lebensquellen vergiftet.
Hier in Paris freylich ertrinke ich im Strudel der Tageswellen, der brausenden Revoluzion.
Leb wohl und vergiss mich nicht. Trübe Ahnungen beklemmen mich.

Dein H. Heine

P.S. Meine französische Gedicht-Ausgabe ist erschienen und macht Furore.